Wir haben schon öfters davon gehört bzw. gelesen, dass es möglich sein soll: Wäsche mit Kastanien waschen. Im Herbst liegen manche Straßen voller Kastanien, das Waschmittel liegt also quasi auf der Straße. Wir haben uns gedacht, dass es also auf jeden Fall einen Versuch wert ist, das Ganze einmal auszuprobieren: Im besten Fall findet man einen komplett ökologischen, komplett kostenlosen Ersatz zum herkömmlichen Waschmittel! Im schlimmsten Fall Wäsche, die man eben nochmal mit "richtigem" Waschmittel waschen muss. Und einen stinkenden Freund. Aber mehr dazu später. 😉

Kastanien Sammeln weckt Erinnerungen an Herbst und Kindheit. Sowohl in Leipzig als auch in Stockholm haben wir einige Kastanienbäume entdeckt und uns einen kleinen Vorrat gesammelt - sollte das Ganze funktionieren, will man schließlich für das kommende Jahr vorbereitet sein!

Natürlich haben wir uns ein bisschen informiert, wie das mit der Waschmittelherstellung funktioniert, und diesen Beitrag bei Wastelandrebel recht hilfreich gefunden. Zuerst müssen die Rosskastanien etwas zerkleinert werden. Wir haben uns für ein scharfes Messer (gefährlich!) und für die Axt (sieht nur gefährlich aus) entschieden. Wir haben uns nicht getraut, die Kastanien im Mixer zu zerkleinern, auch wenn es anscheinend besser ist, wenn die Kastanien kleiner geschreddert sind. Wir werden unsere Erfahrungen aber auf jeden Fall teilen, wenn wir es demnächst ausprobieren.

Dann weichen die Kastanienstücke in Wasser ein. Wir haben zwischen 8 Stunden und 2 Tagen gewartet, bevor das Einweichwasser in das Waschmittelfach der Waschmaschine kommt (ohne die Kastanienstücke). Nach 2 Tagen Einweichen hat das Wasser schon ziemlich stark geschäumt.

Aber warum kann man Kastanien überhaupt als Waschmittel benutzen?
Unsere Kastanie hierzulande heißt Rosskastanie und wurde vermutlich von osmanischen Reitern als Pferdefutter eingeführt (deshalb heißt sie auch Rosskasatnie). Die Kastanie, die wir für Bastelarbeiten oder als Deko sammeln, ist der Samen des Baumes und dieser enthält Saponine. Nicht ganz so viel wie die indische oder nepalenische Waschnuss, die in Drogeriemärkten erhältlich ist, aber mehr als genug für Waschmittel. Die Saponine sind Moleküle, von denen Teile hydrophil (das heißt wasserliebend) und andere Teile lipophil (fettliebend) sind. Sie können also zum Beispiel die Fett-Teilchen, die zu einem Fettfleck auf einem Wäschestück gehören, mit einer Schicht aus Saponin-Molekülen umhüllen und anschließend mit dem Wasch-Wasser abtransportieren.

Das gleiche Prinzip liegt auch den indischen Waschnüssen zu Grunde. Ich (Roxi) wasche schon seit mehr als 6 Jahren mit Waschnüssen und habe nur gute Erfahrungen gemacht. Bei sehr stark verschmutzer Wäsche packe ich ganz manchmal noch ein linsengroßes Tröpchen Neutralseife mit hinzu oder weiche die Wäsche vorher ein. Vor allem Blutflecken bearbeite ich vorher immer mit Kochsalzlösung, sprich ich verteile sie auf dem Blutfleck und wasche das Kleidungsstück kalt aus. Bevor das Teil in die Waschmaschine kommt, mache ich nochmal ein wenig Natriumchlorid drauf.

Funktioniert top. Ein Teil, der viele Leute irritiert, der aber super für Allergiker ist: Kein Parfum. Deine Wäsche riecht also im Zweifel nur nach Dir! Wenn du sie nass aufhängst, kann das schonmal irgendwie muffen, aber sobald die Wäsche trocken ist, sollte dieser Geruch verflogen sein. Wenn ihr Duft dabei haben wollt müsst ihr den künstlich mit hinzugeben in die Waschmaschine in Form von ein paar Tropfen ätherischem Öl.

Nun hat aber unsere inzwischen einheimische Rosskastanie einen großen Vorteil über der indischen Waschnuss: Sie ist lokal! Viel wurde inzwischen berichtet, dass die Verbraucher in Europa den Markt in Indien und Nepal indirekt kaputt machen und dort den Preis in die Höhe treiben. Zudem kommt für uns auch noch der CO2-Ausstoß hinzu, der beim Transport anfällt. Es gibt also genug Gründe, es wenigstens einmal zu probieren.

Ein erstes Fazit

Wir haben noch nicht viel Erfahrung gesammelt, aber wollten doch diese ersten Erkennntnisse mit euch teilen:

  • Die Wäsche ist sauber geworden. Allerdings war sie auch nicht besonders dreckig.
  • Sie stinkt nicht. Aber sie duftet auch nicht so, wie man es vielleicht von konventionellem Waschmittel gewohnt ist.
  • Wir haben mit ca. 2 Kastanien angefangen und wollen als nächstes ausprobieren, ob wir die Wirkung mit mehr Kastanien erhöhen können.
  • Was passiert, wenn man stark verschwitzte Wäsche mit Kastanien wäscht? Reicht die natürliche Waschwirkung aus, um starke Gerüche zu beseitigen?

Wir freuen uns schon darauf, diese und weitere spannende Fragen in einem Update zu beantworten!

Es grüßen euch aus Stockholm

Roxi und Resi

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