Diese Woche hat der IPCC einen neuen Bericht zum Klimawandel veröffentlicht. Wir haben das besonders intensiv mitbekommen, weil wir Atmosphärenwissenschaftler sind, und das in unserem Bereich ein ziemlich großes Ereignis war. Aber auch außerhalb von der Arbeit haben wir gemerkt, dass die Medien verstärkt über Umweltschutz, CO2-Ersparnis und Klimaziele berichten. Ich muss sagen, dass diese Woche in mir gemischte Gefühle ausgelöst hat. Einerseits war ich sehr glücklich darüber, dass sich die Öffentlichkeit für das, was wir tun, interessiert. Mehr noch, ich hatte das Gefühl, dass die Botschaft endlich ankommt,die die Wissenschaft seit Jahrzehnten versucht, an die Politik und die Gesellschaft zu vermitteln. Andererseits habe ich auch sehr frustrierende Momente erlebt. Denn wenn man sich näher mit der Thematik beschäftigt, findet man heraus, dass sich, trotz all der Berichte und Warnungen, immer noch verschwindend wenig verändert hat. Und auch wenn es mich freut, dass die Medien diese Woche so viel gute Berichterstattung geleistet haben, weiß ich, dass es viele Menschen gibt, die den Klimawandel immer noch nicht wahr haben wollen und uns Wissenschaftler sogar der Lüge bezichtigen. Das macht mich traurig und wütend. Professor Harald Lesch, ein Physik-Professor, den ihr bestimmt aus dem Fernsehen kennt, hat sehr treffend gesagt:

"Klimaskeptizismus ist ein Angriff auf die gesamte Wissenschaft."

Lesch ruft uns Wissenschaftler dazu auf, offensiver vorzugehen und unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse besser zu kommunizieren.

Das war einer der Gründe, die uns dazu bewogen haben, diese Reihe über den Klimawandel ins Leben zu rufen. Ein anderer Grund ist die ernsthafte Angst vor dem, was kommen wird, sollte es so weiter gehen wie bisher. Denn Angst zu haben, vor dem was passiert, wenn wir es nicht schaffen, die Erderwärmung in den Griff zu bekommen, ist berechtigt. Das hat der neue Bericht des IPCC gezeigt.

glacier image by Mariusz Prusaczyk

 

Deswegen wollen wir jetzt in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Artikel veröffentlichen, in denen wir den Klimawandel erklären. Zuallererst will ich versuchen, folgende Frage zu beantworten:

Was ist eigentlich der IPCC und was hatte es mit dem Bericht in dieser Woche auf sich?

IPCC steht für "Intergovernmental Panel on Climate Change", zu deutsch Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen. Dieser "Weltklimarat" wurde schon im Jahr 1988 ins Leben gerufen. Seine Aufgabe ist es, die Ergebnisse der Wissenschaft zum Klimawandel zusammenzutragen und der Politik mitzuteilen. Wichtig ist dabei das Wort "intergovernmental" - Die Organisation arbeitet also nicht für eine bestimmte Regierung sondern sozusagen "zwischen" den Regierungen. Zum IPCC gehören Experten aus der ganzen Welt, welche diese so genannten Sachstandberichte ehrenamtlich erstellen.

Der Bericht, der letzten Montag veröffentlicht wurde, ist etwas Besonderes: Es handelt sich um einen speziellen Bericht, der sich besonders auf das so genannte 1.5 °C-Ziel konzentriert. Dieses Ziel besagt, dass sich das Klima bis zum Ende des Jahrhunderts (also bis zum Jahr 2100) um 1.5 °C erwärmen wird. Die Vergleichsbasis sind die "vorindustriellen Zeiten", also die Zeiten, zu denen die Menschen noch nicht so viele Treibhausgase in die Atmosphäre gebracht haben. Zum Vergleich: Jetzt (2018) ist das Klima schon um 1.0 °C wärmer als zu diesen vorindustriellen Zeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfte sich das Klima also in den nächsten 80 Jahren nur noch um ein halbes Grad erhöhen. Warum ist diese Zahl, 1.5 °C so wichtig? Ob jetzt 1.5 oder 2 Grad wärmer, ist doch kein großer Unterschied, sollte man meinen? Eben doch! Genau das ist eine der Hauptbotschaften des neuen IPCC-Berichts:

 

 

Der IPCC veröffentlicht auch Videos, in dem er seine Botschaften klar und allgemein verständlich (meiner Meinung nach) sehr gut auf den Punkt bringt. Dieses Video fasst die Ergebnisse des fünften Sachstandsberichts, der 2013 veröffentlicht wurde, zusammen.

"Every bit of warming matters."

Sogar zwischen 1.5°C und 2°C Erderwärmung besteht ein großer Unterschied hinsichtlich der Auswirkungen auf das Klima! Insbesondere Extremwetterereignisse (Hitzewellen, Starkregen, etc.), der Meeresspiegelanstieg, und die Ertragseinbußen in der Landwirtschaft wären alle deutlich weniger stark ausgeprägt. Was bedeutet das konkret? Dass deutlich weniger Menschen durch den Klimawandel ihre Existenzgrundlage oder sogar ihr Zuhause verlieren würden. Ein weiteres Beispiel: Im Szenario, in dem sich die Erde um 2 °C erwärmt, gehen alle Korallenriffe verloren. In der Prognose, in der sich das Klima um nur 1.5 °C erwärmt, bleiben uns zumindest einige erhalten. Die Botschaft des Berichts könnte also nicht klarer sein: Es ist unglaublich wichtig, dass wir JETZT handeln. Wir müssen endlich aufhören, Treibhausgase in die Atmosphäre zu blasen.

Ich weiß, dass das alles sehr wissenschaftlich klingt und irgendwie "weit weg" von unserem alltäglichen Leben. Deswegen habe ich mir hier ein paar Aufgaben, bzw. Anregungen überlegt, die vielleicht dabei helfen, dass dieses ganze Konzept etwas "realer" wird:

  • Fragt eure Eltern und Großeltern, wie viel Schnee in deren Kindheit typischerweise im Winter lag.
  • Fragt sie, ob in der Region, in der sie leben, schon immer Wein angebaut wurde, und wenn ja, welche Sorten.
  • Versucht, die Weinsorten in dieser Grafik wiederzufinden.
  • Hat sich das Klima in eurer Region in den letzten Jahrzehnten geändert?
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