Momentan liest und hört man in den Medien viel darüber, dass vegane Ernährung die beste für das Klima ist. Ich finde, dass man viel über dieses Thema reden kann, aber um richtig zu verstehen, was es bedeutet sich vegan zu ernähren, muss man es einmal selbst versuchen. Hier will ich von meinen Erfahrungen berichten. Schon mal vorweg: Ich war überrascht, wie einfach vegan leben für mich ist – wenn ich zu Hause bin. Ich war überrascht, wie schwierig es mir fällt, unterwegs vegan zu bleiben. Tatsächlich bin ich daran letztendlich gescheitert, bzw. habe den Versuch ein paar Tage unterbrochen, als ich Freunde in Wien besucht habe.

Nachdem ich mich nun schon öfter in der Situation wiedergefunden habe, dass ich mit Freunden oder Bekannten über Für und Wider einer veganen Lebensweise diskutiert habe, ohne dass einer der Beteiligten Veganerin oder Veganer gewesen wäre,  habe ich mich dazu entschlossen, es einmal am eigenen Leib auszuprobieren. Denn diskutieren kann man viel, auch wenn man eigentlich keine Ahnung hat, was es eigentlich bedeutet vegan zu leben. Ich habe es mir für diesen Versuch einfach gemacht und mich zunächst nur auf die Ernährung beschränkt und den veganen Lebensstil nicht auf alle Lebensbereiche ausgedehnt. Denn man muss sich viel mit dem Thema beschäftigen, um herauszufinden, in welchen Produkten eigentlich tierische Bestandteile enthalten sind.  Klebstoffe, z.B. von Etiketten, sind beispielsweise häufig nicht vegan. Auch Putzmittel und manche Kosmetikprodukte enthalten nicht-vegane Inhaltsstoffe.

Ist vegan essen überhaupt sinnvoll für die Umwelt?

Das habe ich mich auch gefragt, schließlich produziert man gefühlt viel mehr Verpackungsmüll, kauft Gemüse und Früchte mit viel größeren Transportwegen als beispielsweise die regionale Milch. Wenn ich “Soja” sage, fangen viele Leute an, über Regenwaldabholzung zu reden. Irgendwie ist das in den Köpfen drin, dass sich Veganer hauptsächlich von Tofu ernähren, für den Regenwald abgeholzt wird, und das ist echt schlecht. Das bestreite ich gar nicht. Regenwald ist wichtig für das Klima (und mir blutet das Herz bei der momentanen Situation in Brasilien, aber mehr dazu vielleicht ein anderes Mal). Eine andere Frage, was essen Kühe eigentlich? Gras?

 

Soja wird in Deutschland zum Großteil importiert und hauptsächlich in der Fleisch- als auch der Milchproduktion als Kraftfutter verwendet. Hochleistungskühe, die 40 bis 60 Liter Milch am Tag geben, müssen proteinreiches Futter aus Mais, Soja oder Raps zu sich nehmen. Dieses Soja stammt auch aus den Monokulturen Südamerikas, ist oftmals gentechnisch verändert und mit Pestiziden belastet (Quelle). Wenn ich Milch kaufe, ist für einen Liter also deutlich mehr Soja angebaut worden als für die Sojamilch, die ich stattdessen trinken könnte. Wenn ich mich außerdem für Dinkel- oder Hafermilch entscheide oder für Sojamilch und Tofu aus regional angebauten Sojabohnen, stammen die dafür verwendeten Produkte aus Deutschland und Österreich. Eine recht neue Studie hat gezeigt, dass die vegane Ernährung den ökologischen Fußabdruck um bis zu 73% reduzieren kann.

Vegan essen und kochen war unerwartet einfach

Da ich jetzt schon einige Jahre in Leipzig wohne, wusste ich schon recht gut, wo man lecker vegan essen gehen kann. Trotzdem habe ich in den letzten Wochen auch ein paar nette Lokalitäten (wieder-)entdeckt, darunter die Vleischerei und das Atacolypse. Man merkt einfach, dass veganes Essen, besonders die veganen Fast Food Alternativen in Leipzig Tradition haben. Bei Döner (bzw. Vöner), Burger (Bürger) und TexMex habe ich das Fleisch wirklich absolut nicht vermisst, und auch den Käse nur ein wenig. Zu Hause vegan kochen war ebenfalls ein Kinderspiel, das ich so einfach nicht erwartet hätte. Am Ende mussten wir nur einige Zutaten durch vegane Alternativen ersetzen, die Ergebnisse waren meiner Meinung meistens genauso gut wie das “Original”. Natürlich habe ich mir absichtlich die Jahreszeit ausgesucht, in der eine Menge frisches Obst und Gemüse im Garten reif wird und verkocht werden muss. Zwischen gefüllten Zucchini und Bruschetta mit frischen Tomaten habe ich eher aus Versehen die beste Lasagne gekocht, die mir bis dahin gelungen ist.

Roxis veganes Frühstück - da vermisst man das Milchprodukt nicht.

Unterwegs vegan bleiben dagegen nicht so einfach

Sehr faszinierend fand ich, wenn du ein veganen Gericht bestellst, dass da gefühlt immer eine halbe Avocado drauf ist. Beim Auswärtsessen bin ich letztendlich schwach geworden und habe den Versuch abgebrochen, bzw. ein paar Tage unterbrochen. Einerseits war die Pizza einfach zu verlockend, andererseits war es recht kompliziert, spontan ein Restaurant mit veganer Option zu finden, selbst in einer so großen Stadt wie Wien. Ich bin mir sicher, dass ich mit etwas Recherche trotzdem eine gute vegane Möglichkeit gefunden hätte, wollte in dem Moment aber nicht die Gruppe um die ersehnte Vier-Käse-Pizza bringen.
Auch jetzt, wo ich wieder omnivor unterwegs bin, fällt mir auf, dass es außerhalb der Heimatstadt oft kompliziert ist, veganes Essen zu finden.
Ich fühle mich sehr unwohl dabei, die Person zu sein, die fragt, ob es sich bei dem Zeug auf der Catering-Pizza um Thunfisch oder Artischocken handelt. Oder ob in der Brezel, die ich an einem Kiosk im Frankfurter Hauptbahnhof kaufen will, ein Milchprodukt enthalten ist. Das weiß der Verkäufer auch nicht. Und dann? Dann kaufe ich eben nichts? Oder kaufe ich die Brezel einfach trotzdem, weil ich Hunger habe und ich letztendlich keine Veganerin bin? Mit solchen Situationen wird man unweigerlich konfrontiert, und auch wenn ich sie definitiv nicht genossen habe, gehe ich jetzt etwas bewusster durchs Leben und achte mehr auf Leute, die aus welchen Gründen auch immer einer speziellen Ernährungsweise folgen und dieses Problem deswegen häufig haben.

Roxis vegane Brownies

vegane Lasagne

Roxis Falafel mit Hummus

Wie gesund ist vegane Ernährung?

Ein Satz, den man häufig liest, ist dass Veganer auf ihre Nährstoffzufuhr, und ganz besonders auf ihr Eiweiß achten sollten. Es stimmt, dass bestimmte Nährstoffe wie Eisen, Calcium, Vitamin B12 und D stärker konzentriert in tierischen Lebensmitteln enthalten sind. Außer Vitamin B12 kommen aber alle Makro- und Mikronährstoffe ausreichend in pflanzlichen Produkten vor, man muss nur darauf achten, sich ausgewogen zu ernähren. Das heißt, dass man z.B. Protein aus unterschiedlichen Quellen wie Bohnen, Mais und Getreide kombinieren sollte. Wer sich also bewusst mit dem Thema Ernährung auseinandersetzt und die Nährstoffzufuhr im Blick behält, ist auf der sicheren Seite. Dies gilt auch ganz allgemein formuliert: Wer sich Gedanken über seine Ernährung macht, ist generell gesünder. Das erklärt, warum Vegetarier beispielsweise im Durchschnitt eine höhere Lebenserwartung haben.

Fazit

Mein veganer Monat hat mir sicherlich nicht geschadet und ich würde es jedem/ jeder Interessierten empfehlen, es auch einfach einmal auszuprobieren. Auch wenn für mich eigentlich von Anfang an klar war, dass ich nicht dauerhaft vegan werden würde, war es eine interessante Erfahrung. Ein bisschen wollte ich auch wissen, ob ich es schaffe, das durchzuziehen. Letztendlich habe ich festgestellt, dass es Veganerinnen und Veganer im Alltag oft schwerer haben als einem vielleicht bewusst ist - besonders wenn man außerhalb isst. Ich habe in den letzten Wochen einige vegane Rezepte ausprobiert, die ich in Zukunft öfter verwenden werde. Vielleicht werde ich in Zukunft einen oder zwei vegane Tage pro Woche einlegen, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Ich bin der Meinung, dass man dadurch schon viel bewirken könnte, wenn einfach jeder ein bisschen mehr vegan essen würde.

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