Wir waren letztens nach der Arbeit ein Bier trinken, und ein Kollege fragte, warum Fliegen so unglaulich viel ausmacht bei seinem ökologischen Fußabdruck und beschrieb seine Frustration darüber. Egal wie viele Maßnahmen er umsetzt zur Einsparung von CO2, ein Flug, und zack, man hat das Gefühl alles war für die Katz. Das stimmt. Und ja, das ist unmotivierend.
Selbst wenn man möglichst ökologisch reist, reicht ein Mittelstreckenflug, um deine gute Statistik zu versauen.

Das haben wir uns zum Anlass genommen, einen Artikel über den CO2-Fußabdruck zu schreiben. Die Recherche hat ganz schön viel Material geliefert, seid also vorgewarnt: Dieser Artikel wird etwas länger!

So kannst du deinen CO2-Fußabdruck bestimmen

Wir haben das Internet durchforstet nach unterschiedlichen Möglichkeiten, den CO2-Fußabdruck zu berechnen. Denn eine einzige richtige Art und Weise dafür gibt es nicht. Das fängt schon einmal damit an, in welchem Land du lebst: Je nachdem werden andere Zahlen verwendet, die auf den gesamten Emissionen des jeweiligen Landes beruhen. Der World Wildlife Fund (WWF) bietet für verschiedene Nationalitäten CO2-Fußabdruck-Rechner an, z.B. für UK, Deutschland und die Schweiz. Auf CO2logic.com kann man für verschiedene Lebensbereiche (Reisen, Wohnen) einzeln die Emissionen berechnen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was eigentlich den Großteil unseres CO2-Ausstoßes ausmacht. Weitere deutschsprachige Rechner werden beispielsweise von Brot für die Welt und endlich-wachstum.de angeboten. Carbonglobe.com ist ein Beispiel für einen Rechner für US-Bürger. Überall werden die Testfragen ein bisschen anders gestellt und man bekommt viel Information und Denkanstöße für Verbesserungen. Unterm Strich sind die Tests jedoch alle recht ähnlich und stimmen in den Hauptaspekten, die zum CO2-Ausstoß beitragen, überein.

Earth Overshoot Day

Ein interessantes Konzept, das wir hier noch kurz anreißen wollten, ist der Earth Overshoot Day. Es handelt sich dabei um den Tag in einem Jahr, an dem die Menschheit alle Ressourcen, die die Erde natürlicherweise zur Verfügung stellen und regenerieren kann, aufgebraucht hat. Im Jahr 2018 fiel dieser Tag auf den 1. August. Man kann auf der Webseite auch seinen persönlichen Overshoot Day ausrechnen. Wir haben das mal ausprobiert und haben wieder gemerkt: Flugreisen machen wirklich viel aus!

Die Sache mit den Flugreisen

Das Problem mit dem Fliegen ist, dass es ein Luxusgut ist. Auch wenn Fliegen viel selbstverständlicher geworden ist in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch Billig-Fluggesellschaften, die Mehrheit der Weltbevölkerung fliegt nicht, hat noch nie ein Flugzeug von innen gesehen und wird das in ihrem Leben auch nicht.
Der wichtigste Punkt für diesen großen Anteil auf deinem Fußabdruck ist, dass es sich immer um die Summe, sprich um alles jemals in die Luft gelangte, CO2 handelt.
Fluggesellschaften erzählen gerne, dass sie ja nur 5% vom gesamten CO2-Ausstoß ausmachen und gar nicht der größte Sektor sind. Aber genau hier lohnt es sich genauer hinzuschauen: 5% - ohne all den anderen Verkehr. Nur ein einzelner Verkehrssektor, der wie schon gesagt, ein Luxusgut ist. Für einen Sektor mit so beschränktem Zugang sind 5% erstaunlich viel!
Um dich wieder ein bisschen zu motivieren deinen Fußabdruck kleiner zu bekommen: Auch wenn deine prozentualen persönlichen Veränderungen nicht so groß erscheinen, ist deine Veränderung netto genauso viel Wert wie von einem Menschen, der diese Veränderungen macht, ohne Fliegen in Betracht zu ziehen.
Ich hoffe das klingt ein bisschen motivierender. Auch wenn du natürlich deine Flugreisen nicht rausrechnen solltest, vielleicht schaust du dir deinen Fußabdruck einfach einmal mit und einmal ohne Flugreisen an, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Fliegen eigentlich ausmacht!
Und vielleicht kommst du zu dem Schluss, dass ab und an auf den Flieger zu verzichten sich doch lohnt. Vor allem für kurze Strecken, die auch anders zu bewältigen sind.

CO2-Kompensation

Das Ganze wirft bei mir die Frage auf, ob man den CO2-Ausstoß vielleicht irgendwie wieder rückgängig machen kann. Im Hinterkopf habe ich dabei das Label 'CO2-neutral'. Es gibt doch diese Wald-Projekte, die darauf ausgelegt sind, Kohlenstoff wieder in Biomasse zu binden. Vielleicht pflanzt irgendjemand Bäume, durch die mein Flug wieder gut gemacht wird?

Tatsächlich gibt es anscheinend einige Anbieter, die versprechen, CO2-Emissionen von Firmen und Privatpersonen zu kompensieren. Darunter finden sich z.B. Namen wie myclimate, carbonfund.org und atmosfair. Letzteren Anbieter kennt ihr vielleicht auch schon, wenn ihr in letzter Zeit einmal ein Busticket bei Flixbus gekauft habt. Den Anbieter atmosfair wollte ich mir daraufhin etwas genauer anschauen. Was genau macht diese Firma denn mit diesen Kompensations-Zahlungen? Ich habe irgendwie Angst, dass es sich um eine Analogie der Ablass-Zahlungen der frühen Neuzeit handelt, die lediglich das Gewissen des "Sünders" beruhigen und dabei die Organisation, an die gezahlt wird, unrechtmäßig bereichern.

Sehr richtig wird zunächst auf der Website vermerkt “If it is not possible to avoid CO₂ emissions, at least measures should be taken in order to reduce them as much as possible.” Atmosfair bietet die Kompensation von CO₂-Emissionen durch so genanntes "offsetting" an. Das heißt, dass das ausgestoßene CO₂ an anderer Stelle eingespart wird, z.B. durch die Förderung von effizienterer Energiegewinnung in Entwicklungsländern.
Man sollte aber im Kopf behalten, dass durch diese Kompensationszahlung die CO₂-Emission natürlich nicht rückgängig gemacht wird. Stattdessen wird an anderer Stelle CO₂ eingespart, zum Beispiel eben durch die Nutzung erneuerbarer Energien anstatt von fossilen Brennstoffen. Das heißt, dass durch die meisten Maßnahmen nicht direkt CO₂ aus der Atmosphäre entfernt wird, sondern nur weniger davon in die Atmosphäre eingebracht wird. Das macht die Rechnung aber nicht falsch, das CO₂ wird ja trotzdem eingespart.

Eine Art, auf die CO₂ wirklich aus der Atmosphäre entfernt werden könnte, ist wie gesagt durch die Bindung in Form von Biomasse, sprich, z.B. durch Wälder. Das Problem dabei ist, dass der Wald nicht wieder gerodet (und dann verbrannt) werden darf, wenn das CO₂ gebunden bleiben soll. Ein Wald müsste über viele Jahre bestehen und Biomasse aufbauen, die immer wieder geerntet wird. Diese Biomasse müsste, z.B. durch Verbrennung, in Energie umgewandelt werden, die andere Energieträger ersetzt, um einen Effekt auf die CO₂-Konzentration zu haben. Ganz schön kompliziert! Laut atmosfair beträgt die Zeit, die ein Wald bestehen müsste, um einen Effekt zu haben, in etwa 50 bis 100 Jahre. Diese Zeitskala ist besonders aus unternehmerischer Sicht wirklich lang. Ein anderes Problem ist, dass durch das Schützen von bestimmten Waldstücken einfach anderswo Wald abgeholzt wird, womit der Gewinn wieder verloren ist. Es ist also gar nicht so einfach, den CO₂-Ausstoß wieder rückgängig zu machen. Damit begründet atmosfair, warum sie keine Wald-Projekte haben.

Es wird zur Zeit auch an weiteren Möglichkeiten, CO₂ permanent aus der Atmosphäre zu entfernen, geforscht. Zuerst müsste es gelingen, das CO₂ effizient aus der Luft zu extrahieren. Dann ist die Frage: Wohin damit? Man bräuchte eine sichere Lagerstätte, aus der das CO₂ nicht zurück in die Luft gelangen kann. Die Forschung ist momentan auf jeden Fall noch nicht so weit, diesen Prozess annähernd effizient zu meistern.

Eine Idee, auf die ich bei der Internetrecherche allerdings aufmerksam geworden bin, ist Biokohle: Biokohle kann aus jeglicher Art von Biomasse hergestellt werden, d.h. aus Holz, aber auch aus Blättern, Abfall oder Mist. Sie wird unter Erhitzen in einer sauerstoffarmen Umgebung hergestellt, ähnlich wie die normale Holzkohle, die wir kennen. Anschließend wird sie in die oberste Bodenschicht eingebracht. Dort verbessert sie das Pflanzenwachstum, vielleicht habt ihr davon ja schon einmal unter dem Begriff Terra Preta etwas gehört. Der wichtige Punkt ist nun, dass der Kohlenstoff erst mal im Boden gebunden bleibt. Dadurch, dass im Boden weniger Sauerstoff für chemische Reaktionen verfügbar ist, kann der Kohlenstoff nur sehr schwer wieder zu CO2 reagieren und als Gas in die Atmosphäre entweichen.

Websites zu negativer CO2 Bilanz (CO2 aus der Atmosphäre entfernen)

Es gibt bereits Ansätze für Technologien, CO2 aus der Luft zu binden, z.B. hier und hier
Informationen zur Biokohle gibt es auf carbonzero.ch in deutscher Sprache. Dort gibt es auch interessante Fotos zum Effekt der Kohle als Dünger. International vernetzt ist das Projekt durch die Internationale Biokohle-Initiative, die IBI. Das ist eine NGO mit Sitz in den USA, die die Biokohle voranbringen will.
Ich werde mir überlegen, meinen nächsten Flug zumindest zum Teil in Form einer Spende an die IBI zu kompensieren.

"Studien haben gezeigt, dass der Kohlenstoff in der Biokohle Jahrtausende lang stabil bleibt. Damit ist Biokohle ein einfaches Mittel, um historische Kohlenstoff-Emissionen zurückzuführen und zwar mit einer Technologie, die in Industrieländern oder Entwicklungsländern gleichermaßen anwendbar ist. Das Synthesegas und die überschüssige Wärme können direkt oder zur Herstellung einer Vielzahl von Biokraftstoffen verwendet werden."

- carbonzero.ch

Ein paar abschließende Worte

Wir haben einiges aus unserer Recherche über den ökologischen Fußabdruck und CO2-Offsetting gelernt, zum Beispiel:

  • Es ist auf jeden Fall besser CO2 einzusparen als zu kompensieren, deshalb: Nur fliegen, wenn es unbedingt nötig ist!
  • Kleidung, Geräte, usw. besser second hand kaufen als neu
  • Es macht einen erstaunlich großen Unterschied, wenn man sich saisonal und mit weniger tierischen Produkten ernährt
  • mit dem Rad fahren anstatt mit dem Auto oder dem Bus - das ist nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für die Fitness!
  • Strom- und Heizkosten sparen. Dabei freut sich auch der Geldbeutel 😉

Diesen Blog haben wir ja eigentlich genau hierfür gestartet, um auf diese Punkte aufmerksam zu machen, und unsere persönlichen Erfahrungen mit euch zu teilen! Und dieser Artikel über CO2, das ist sozusagen die Hauptmotivation, warum wir ihn überhaupt ins Leben gerufen haben. Wir versuchen in unserem Alltag (und Berufsleben) unser Bestes, CO2 einzusparen, lernen aber selbst immer mehr dazu - auch durch das Schreiben dieses Artikels. Und diese Erkenntnisse wollen wir mitteilen.

Ab Mitte des Jahrhunderts müssen wir global eine negative CO2 Bilanz erzielen (IPCC)

Durch das Schreiben dieses Artikels ist mir erst bewusst geworden, wie schwierig das werden wird. Wie gesagt, die technologischen Ansätze zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre sind noch lange nicht effizient. Es müsste viel stärker in diese Richtung geforscht werden! Die IBI kann meine Spende wahrscheinlich wirklich gut brauchen, haha. Bis dahin lohnt es sich, so CO2-sparsam wie möglich zu leben, auch wenn man oft das Gefühl hat, dass man als Einzelner nicht wirklich etwas erreichen kann. Das allgemeine Bewusstsein für Umweltthemen ist aber in den letzten Jahren doch sehr gestiegen,was in mir die Hoffnung weckt, dass sich etwas tun wird. Einzelne Personen, die mit gutem Beispiel voran gehen und andere auf diese Themen aufmerksam machen, können Einfluss auf viele haben. Ich hoffe, das motiviert euch, euch einmal mit eurem persönlichen CO2 Fußabdruck auseinanderzusetzen und vielleicht die eine oder andere Strategie auszuprobieren, um ihn zu verkleinern.

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